Der muslimische Witz

Hodscha Nasruddin hat Hunger und bleibt vor einer Bäckerei stehen, aus der heraus es köstlich duftet. Nach einiger Zeit kommt der Bäcker aus seinem Laden und sagt zu Hodscha Nasruddin: «Du hast jetzt lange hier gestanden und den köstlichen Duft meiner Backwaren eingeatmet, das aber kostet Geld, bitte bezahle.» Daraufhin holt der Hodscha ein paar Münzen aus seiner Tasche, wirft sie auf die Strasse, sammelt sie dann wieder ein und meint: «Der Klang der Münzen, die auf die Strasse gefallen sind, ist wohl genug als Bezahlung für den Geruch.»

Ein Witz, wie er unter Muslimen in aller Welt kursiert. Und nicht nur unter ihnen, denn Witz und Humor scheinen den Menschen – bei aller kulturellen Verschiedenheit – gemeinsam und eigen zu sein.

Den Streit um die Mohammed-Karikaturen vor Augen, liegt der Schluss nahe, der Islam verstehe keinen Spass. Hadayatullah Hübsch schreibt: «Charakterisieren … griesgrämige, mürrisch und finster dreinblickende Mullahs, denen kein Lächeln über die Lippen kommt, geschweige denn herzliches, lautes Lachen, Geistliche mithin, die weder Humor, noch gar für Ironie oder Selbstironie einen Sinn haben, den Islam? Oder kennt der Islam ursprünglich durchaus das herzhafte Lachen, den Scherz mit tieferer Bedeutung, die Lust an der Freude, am Spass?»

Der Autor führt in den muslimischen Witz sein, indem er den Spuren des Humors im Koran und beim Propheten Mohammed folgt. Zehn Merkmale des Witzes im Anschluss an Sam Kabbani werden herausgearbeitet. Der orientalische Spassvogel Goha (Dschuha) und die Figur des türkischen Hodscha Nasruddin treten auf; beide stehen für Prototypen muslimischen Humors – unserem Till Eulenspiegel vergleichbar. Witze machen mehr als die Hälfte des Buches aus. Diese Kostprobe zum Schluss:

In früheren Zeiten trug man einen Pelzmantel mit den Haaren nach innen gewendet. Ein Scheich aber trug einen Fuchspelzmantel so, dass das Fell nach aussen gewendet war. Darauf angesprochen, warum er das tue, antwortete er: «Wer weiss besser, wo das Fell hingehört, ihr oder der Fuchs?»

Ausleihe: Exemplar 108673

Rainer Jecker

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2018-05-17T09:22:33+00:00