Die Fachtagung vom 16. Oktober 2026 war ausgebucht. Und das Thema «Stark fürs Leben» traf offensichtlich einen Nerv: Wie können wir Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg stärken, begleiten und ihnen Orientierung geben – gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit, Leistungsdruck und Reizüberflutung geprägt ist?

Im Bullingerhaus in Aarau erwartete die Teilnehmenden ein abwechslungsreicher Tag mit zwei inspirierenden Referentinnen, einem spannenden Podiumsgespräch, persönlichen Begegnungen und sieben unterschiedlichen Workshops.

Zwei Referentinnen, die das Thema persönlich machten

Den Auftakt machte Helga Kohler-Spiegel mit ihrem Referat «Stark fürs Leben – Resilienz fördern, Persönlichkeit stärken». Sie verband Erkenntnisse aus Resilienzforschung und Entwicklungspsychologie mit religionspädagogischen Perspektiven. Resilienz, so wurde deutlich, ist keine angeborene Superkraft. Sie wächst durch Beziehung, Orientierung, Selbstwirksamkeit, Ich-Stärke und Hoffnung. Gerade Religionsunterricht, Katechese und Jugendarbeit können Orte sein, an denen solche Erfahrungen möglich werden.

Danach nahm Maria Brasser die Teilnehmenden mit in die Welt des Gehirns. In «Das Gehirn verstehen – Kinder und Jugendliche begleiten und stärken» zeigte sie auf, was neurowissenschaftliche Erkenntnisse für die Begleitung junger Menschen bedeuten. Sicherheit, Beziehung, Sinn, Spielraum und Selbstwirksamkeit spielen dabei eine zentrale Rolle. Besonders bereichernd waren die anschaulichen Beispiele und interaktiven Elemente – mit so manchem Aha-Moment. Auch spirituelle Haltungen und Praktiken kamen zur Sprache und ihre mögliche Wirkung auf Wohlbefinden, Selbstregulation und Sinnorientierung.

Beide Referentinnen haben das Thema nicht einfach «abgearbeitet», sondern persönlich werden lassen. Was brauchen Kinder und Jugendliche, um stark fürs Leben zu werden? Und was brauchen eigentlich wir selbst, um andere verlässlich begleiten zu können? Genau diese Fragen begleiteten die Teilnehmenden durch den Tag.

Perspektivenwechsel im Podium

Beim Podiumsgespräch am Mittag kamen Fachpersonen aus Schule, Katechese und Jugendarbeit miteinander ins Gespräch. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven trafen aufeinander und machten deutlich: Junge Menschen zu stärken, ist eine gemeinsame Aufgabe. Gerade der Austausch über die verschiedenen Arbeitsfelder eröffnete neue Sichtweisen und regte zum Weiterdenken an.

Zwei Workshops – und ganz unterschiedliche Wege, «stark fürs Leben» zu werden

Am Nachmittag wurde es praktisch. Aus sieben abwechslungsreichen Angeboten konnten die Teilnehmenden zwei Workshops auswählen.

Die Palette war bunt: Mit Hagar ging es darum, Vertrauen ins Leben zu stärken; kreative Teamspiele luden zum Lernen durch Erleben und Reflektieren ein. Beim gemeinsamen Singen durfte erlebt werden, wie glücklich Musik machen kann. Andere Workshops beschäftigten sich mit den «5 G und 5 V», mit Ritualen und Achtsamkeit, mit praktischen Methoden für die Stärkung von sich selbst und anderen oder mit dem Vertiefen und Weiterdenken des Gehörten.

So konnte jede und jeder genau das auswählen, was gerade passte – und gleichzeitig Neues entdecken.

Ein gemeinsamer Schluss – und ein musikalischer Übergang

Zum Abschluss der Fachtagung wurde es noch einmal musikalisch. Dieter Wagner lud die Teilnehmenden ein, gemeinsam das sechsstimmige Lied «Evening Rise» zu singen. Sechs Stimmen? Kaum zu glauben – aber tatsächlich: Wir schafften es! Mit viel Freude, etwas Mut und der Bereitschaft, aufeinander zu hören, füllte sich der Raum mit einem mehrstimmigen Klang.

Vielleicht hätte es keinen passenderen Abschluss geben können: aufeinander hören, sich einfügen, eine eigene Stimme finden und gemeinsam etwas entstehen lassen. Genau das war auch ein Stück weit das, was diesen Tag ausgemacht hat.

Was bleibt?

Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dieses Tages: «Stark fürs Leben» beginnt nicht erst bei den Kindern und Jugendlichen. Es beginnt bei uns.

Die Fachtagung hat fachlich inspiriert, zum persönlichen Nachdenken angeregt und ganz konkrete Impulse für den Alltag mitgegeben. Sie hat gezeigt, wie wichtig Beziehung, Vertrauen, Sinn und Selbstwirksamkeit sind – und wie wertvoll es ist, sich zwischendurch Zeit zu nehmen, die eigene Praxis zu reflektieren, neue Perspektiven kennenzulernen und sich mit anderen auszutauschen.

Ein Tag, der gestärkt hat – fachlich, persönlich und für die vielen kleinen und grossen Begegnungen im Alltag.

Danke allen, die diesen Tag mit ihren Fragen, Erfahrungen, ihrer Offenheit und ihrem Engagement lebendig gemacht haben!